Eine feministische Reise nach Israel und in die palästinensischen Gebiete

von Hanaa El Idrissi, Saskia Scheler und Marie-Luise Stallecker
erschienen im Juso-Update 12.2

Wir, eine 10-köpfige Frauendelegation der Jusos, haben uns Mitte Mai auf den Weg nach Israel und in die palästinensischen Gebiete begeben. Ziel der Delegationsreise war es, einen Eindruck von der dortigen Situation von Frauen und gleichstellungspolitischen Debatten zu erhalten, und uns mit unseren befreundeten Jugendorganisationen zum Thema Feminismus auszutauschen. Im Nahen Osten wartete ein vielfältiges Programm auf uns, das es ermöglichte, viele AktivistInnen und ihre emanzipatorische Arbeit in verschiedenen Bereichen kennenzulernen. Die ersten Tage verbrachten wir in Jerusalem.
Dort lernten wir das Willy-Brandt-Center und seine MitarbeiterInnen kennen. Im WBC durften wir bspw. Sahar Vardi kennenlernen, eine israelische Aktivistin, die uns von ihrer Zeit als Kriegsdienstverweigerin erzählte und uns einen Einblick in das Zusammenspiel von Militär und Patriarchat in der israelischen Gesellschaft gewährte.

Ein Highlight war für uns der Besuch des israelischen Parlaments, der Knesset. Nach einer Tour durch das Gebäude lernten wir Laura Talinovsky, Mitarbeiterin der Vorsitzenden von Labour, den Vorsitzenden von Young Meretz und eine Vertreterin der Labour Youth kennen. Ergänzt wurden diese Debatten später von unserem Treffen mit der Vorsitzenden von Labour Jerusalem, Esti Kirschmeier, mit der wir uns über die Schwierigkeiten junger
Politikerinnen in Israel und Deutschland austauschen konnten. Einen besonderen Eindruck hat bei uns eine Diskussion mit Laura Wharton hinterlassen, die sich als Stadtabgeordnete in Jerusalem gegen die von ultra-orthodoxen Gruppen geforderte Geschlechtertrennung in Bussen einsetzt. Insbesondere bildete die Frage nach der Trennlinie zwischen  Religionsfreiheit auf der einen und den Gleichheitsrechten aller auf der anderen Seite einen Kernbestandteil unserer Diskussion.

Auch auf palästinensischer Seite war es für uns wichtig, den Dialog mit unserer  Partnerorganisation Shabeebath Fatah zu suchen. In Ramallah diskutieren wir im Rahmen eines Worldcafes mit Vertreterinnen u.a. über die Situation von Frauen auf dem  Arbeitsmarkt und in der Politik. Emotional bewegend war ein Besuch im palästinensischen Hebron. Nach einem Rundgang gemeinsam mit TIPH (Temporary International Presence in the City of Hebron), trafen wir eine Aktivistin, die am Markt von Hebron eine Frauenkooperative gegründet hat. Bei unseren Gesprächen und Treffen mit AktivistInnen wurde immer wieder deutlich, dass sich Frauen in Israel, Palästina und Deutschland teilweise mit ähnlichen Problemen konfrontiert sehen – von ungleicher Bezahlung bis hin zu gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen, die sie in ihrer Persönlichkeitsentfaltung
einschränken. Es war erstaunlich zu sehen, wie sehr sich die Wünsche, Ängste und die Wut junger Frauen in drei Kulturkreisen gleichen, die so oft als vollkommen unterschiedlich dargestellt werden. Wir hoffen, dass wir die Kontakte zu den VertreterInnen unserer befreundeten Organisationen auch über diese Reise hinaus aufrecht erhalten und uns auch in Zukunft über Fragen des Feminismus austauschen können.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rheinsalon veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s