Feminismus 2.0

Das Internet und die Herausbildung einer digitalen Gesellschaft bieten jede Menge Stoff für Utopien, Hoffnungen und positive Perspektiven für eine Gesellschaft der Freien und Gleichen. Im Internet scheinen viele der Hürden, die gesellschaftlich die Gleichstellung der Geschlechter weiter behindern, nicht zu existieren. Der Idee nach, ist das Geschlecht bei Usern nicht auf den ersten Blick sichtbar, Stereotypen kann so aus dem Weg gegangen werden.

Geschlechterungleichheit im Netz

In Sachen Netznutzung selbst sind kaum noch Geschlechterunterschiede festzustellen. Einzig in der Altersgruppe ab 65 Jahren sind Frauen noch knapp unterrepräsentiert. In allen anderen Altersgruppen befindet sich die Nutzung von Internetangeboten auf nahezu identischem, hohem Niveau (90 Prozent). Unterschiede lassen sich jedoch darin ausmachen, wozu das Internet genutzt wird. „Jungen spielen, Mädchen chatten“, so lassen sich die meisten Studienergebnisse grob zusammenfassen. Dieses unterschiedliche Nutzungsverhalten lässt sich nun leicht über gesellschaftliche Rollenerwartungen und die Reproduktion von Stereotypen in Erziehung und Bildung erklären. Das heißt aber, das Netz nivelliert geschlechtliche Unterschiede nicht per se, sondern manifestiert, ja verstärkt diese unter Umständen sogar. Die „scheinbare“ Gleichberechtigung im Netz führt auch zu Stilblüten, denen besonders die Piraten-Partei immer wieder aufsitzt. Nach ihrer Meinung spielt das Geschlecht im Internet, und damit auch in der Gesellschaft keine Rolle mehr. Ungleiche Lebensentwürfe von Männern und Frauen sind damit nichts strukturelles mehr, sondern rein individuelle Lebensentscheidungen einzelner Menschen. Unterschiede reiner Zufall. So ist es eben auch reiner Zufall, dass in der Berliner Fraktion bei 15 Piraten nur eine Frau im Abgeordnetenhaus sitzt.

Feminismus im Netz

Aber das Internet manifestiert und verstärkt Geschlechterungerechtigkeit nicht nur. Es hat sich auch eine starke Netz-Feministische Community gegründet, die im Internet gegen
Alltags-Sexismus, Diskriminierung und Ungleichbehandlung ins Feld ziehen. Feministische Bloggerinnen und Autorinnen wie beispielsweise die Mädchenmannschaft oder Moderne Mädchen, die weiterhin Missstände in der Gleichstellung von Männern und Frauen in Deutschland anprangern, finden Land auf, Land ab großen Anklang.
Gerade Internet-Kommunikation, Websites und Blogs ermöglichen neue Publikationsmöglichkeiten und das Erreichen einer potentiell interessierten Öffentlichkeit mit wenig finanziellem Aufwand. Erst damit konnten feministische Blogs und inhaltliche Diskussion gerade junger AutorInnen realisiert werden. Die effektive Mobilisierung zu den sogenannte „Slutwalks“ hat beispielsweise gezeigt, wie das Internet auch die globale Kommunikation einzelner, in ihren Ländern jeweils marginalisierter Gruppen (FeministInnen) vereinfacht und so ihre Schlagkräftigkeit stärkt. Das Internet ist also sowohl Tummelplatz für Netz-Feminismus als auch für Netz-Misogynie, also Frauenfeindlichkeit. Man muss nur Aufpassen, wohin man schaut.

Der Artikel ist im aktuellen Verbandsmagazin der NRWJusos erschienen.

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