Happy Birthday, Emma!

Das feministische Leitmedium wird 35 Jahre – eine kritische Würdigung

Deutschland in den 70ern: die Hosen hatten Schlag, Männer wie Frauen lange Wuschel-Mähnen, Frauen gehörten der allgemeinen Meinung nach an den Herd, der Paragraph 218 stellte Abtreibung unter Strafe, Frauen in Führungspositionen waren so selten wie Elektroautos und Gewalt gegen Frauen galt für die meisten höchstens als Kavaliersdelikt.
Es gab also einiges zu tun, für eine laute, aufmüpfige Frauenbewegung.
Wenn Alice Schwarzer das Gesicht des deutschen Feminismus darstellt, dann ist Emma die Zeitschrift des deutschen Feminismus. Am 26. Januar 1977 erschien die erste Ausgabe von Emma, herausgegeben von: Alice Schwarzer, natürlich.

Seit dem hat die Emma mit verschiedenen Kampagnen und frech bis bitterbösen Artikeln die deutsche Männerwirtschaft auf den Kopf gestellt. Mit großen Artikeln  ging sie gegen die, Diskriminierung von Frauen in allen Lebensbereichen vor, prangerte Gewalt gegen Frauen und Kinder an, berichtete über die Lebensbedingungen von Frauen in allen Ländern, forderte  gleichen Lohn für gleiche Arbeit, berichtete über Prostitution, Schönheit und Diätwahn. Aber auch weniger offensichtliche gleichstellungspolitische Themen machte Emma zum Thema. Atompolitik, Menschenrechte, Fußball und Kunst finden Erwähnung. Die Kampagne gegen Pornographie   „PorNo“ die gegen die Erniedrigung von Frauen in Pornos vorgeht wurde gleich mehrfach und in mehreren Jahrzehnten aufgelegt.

Noch immer legt Emma den Finger in die Wunde, bringt kritische und aufrüttelnde Artikel zu Gesellschaft und Politik. In der aktuellen Ausgabe wird beispielsweise über Frauen in der Occupy-Bewegung geschrieben und das geheime Doppelleben von Frankreichs Beinahe-Präsident Dominique Strauss-Kahn aufgedeckt. Neben gut recherchierten Themen und interessanten Artikeln, die einen neuen Blick auf bekannte Themen werfen, kommen immer mal wieder Artikel vor, die vor allem jüngere Feministinnen in Stutzen kommen lassen. Lob-Lieder auf  Angela Merkel lasse sich in der Emma ebenso finden wie ein höchst intoleranter Umgang mit dem muslimischen Kopftuch, altbackene Porno- und Sexualvorstellungen wie Abgesänge auf den „neuen Feminismus“, sprich: alles was nach Emma kam.
Vor allem schleicht sich immer mal wieder das Gefühl ein, die Emma sei vor allem eines: eine One-Women-Show. Auf Seite vier, den freundlichen Begrüßungsworten, unter denen noch „Eure Emmas“ steht finden sich stets Veranstaltungs-Tipps zu den nächsten Terminen mit Alice Schwarzer. Gefolgt natürlich von einem Editorial von Alice Schwarzer. Intensiv werden dort ihre verschiedenen (und unterschiedlich guten) Bücher beworben und unvergessen bleibt auch: das kurzer Intermezzo von Lisa Orthgies als Nachfolgerin von Alice Schwarzer als Chef-Redakteurin. Nach nur zwei Ausgaben wurde sie von der immer noch als Verlegerin, Herausgeberin und Autorin  fungierenden Alice Schwarzer wieder abgesetzt, Alice Schwarzer kehrte als Chef-Redakteurin zurück – niemand kann’s halt so gut wie sie.

Die geneigte Feministin kann heutzutage längst auch auf andere Zeitschriften zurückgreifen. Das Missy-Magazin berichtet beispielsweise nach eigenen Aussagen „ Popkultur, Politik und Style. Mit dem gegebenen Humor und einer feministischen Einstellung. Ohne Diäten und anderen Quatsch.“ Gerade auch das Internet bietet viele Möglichkeiten um über feministische und gleichstellungspolitisch relevante Themen zu informieren. Auf feministischen Homepages und Blogs werden feministische Theorien, Alltagssexismus, Gleichstellung international und systemimmanente Diskriminierung diskutiert. Das Blog „Mädchenmannschaft“ stellt verschiedene dieser Seiten und Blogs vor. Allein auf Emma angewiesen sind wir also nicht mehr. Und auch das haben wir zum Teil Emma zu verdanken.

Trotz allem: Kein anderes Medium hat den deutschen Feminismus so sehr geprägt und vorangebracht wie diese Zeitschrift. Herzlichen Glückwunsch, Emma. Auf die nächsten 35 Jahre!

Der Text ist ursprünglich im Juso-Blog erschienen

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