Männer auf dem Bundesparteitag

Der Text ist in der Kolumne „fight for feminism“ im UPDATE 11.6 der Jusos erschienen.

Die auf dem Bundesparteitag der SPD in Berlin am häufigsten vertretene Spezies war: der Mann im dunklen Anzug. Hemden durften sich durchaus von einander unterscheiden, Krawatten leuchteten gar in rot, grün und der neuen SPD-Farbe purpur. Nur die Anzüge blieben in dunkel-blau, dunkel-grau, schwarz. Unsere Männer-Troika machte es auf der Bühne vor. Männer aus allen Delegationen zogen entsprechend nach.

Als Juso, also Mitglied in einem feministischen Richtungsverband, kann man sich über Bundesparteitage nur wundern: keine quotierte Delegations-Anreise nötig? Gleichstellung und Feminismus wird unter Familienpolitik mitverhandelt? Keine quotierten Redelisten? Was ist übrig, von unserer stolzen, feministischen Partei, die sich einst als erste Partei Deutschlands für das Frauenwahlrecht einsetzte? Nun ja. Zumindest haben wir jetzt einen Reißverschluss. Was im Fernsehen wie ein Karnevals-Wimpel am Revers von Sakko und Jackett anmutete war in Wahrheit ein kleiner Reißverschluss, der andeuten sollte: Männer und Frauen sollen auf den Landeslisten immer abwechselnd aufgestellt werden: also wie im Reißverschluss-Verkehr. Als sich selbst Frank-Walter Steinmeier einen solchen Orden anstecken ließ war klar: die Delegierten konnten dem Votum der Antragskommision auf Ablehnung dieses Änderungsantrags der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen nicht mehr folgen. Der Reißverschluss fuhr einen klaren Sieg ein. Gegen den Willen der Großkopferten.

Wie es um die gleichstellungs- und familienpolitische Einstellung unserer Partei bestellt ist, merkt man unter anderem auch an dem Termin, zu dem der Bundesparteitag statt fand. Am Sonntag dem zweiten Advent ging es los, dem Tag, an dem traditionell Familienfeiern, Advents-Kaffeetrinken und Gemeindebasare stattfinden. Die beiden nächsten Tage, ein Montag und ein Dienstag, sind für normale Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ja unter normalen Umständen schon kaum wahrzunehmen. Mitten in der Woche: das heißt Urlaub nehmen müssen, und das gerade in der stressigen Weihnachtszeit. Dienstag war jedoch zusätzlich nicht irgendein Tag im Advent, sondern ausgerechnet Nikolaus. Der Tag an dem sich Kinder auf Apfel, Nuss und Marzipan in Stiefel oder auf Teller freuen. Selbst wenn sich ihre Eltern für Politik interessieren und in der SPD engagieren. Kinder können da gnadenlos sein. Frauen- und Familienfreundlichkeit? Pustekuchen.

„Die Partei muss weiblicher werden“ hieß es in den Sonntag-Reden der Politikerinnen und Politiker. Da wo Politik tatsächlich weiblicher werden sollte, beispielsweise dem Stand zu dem neuen Konzept „Fem.Net“ das von uns Jusos gemeinsam mit der ASF entwickelt wurde, um vor allem junge Frauen die zwar SPD-Mitglieder sind, sich aus den unterschiedlichsten Gründen aber nicht mehr oder noch nicht in der Sozialdemokratie engagieren zu vernetzten, ließen sich Männer jedoch kaum blicken. Voller war es da schon an den Hot-Dog oder Zigaretten-Ständen. Auch wenn Helmut Schmidt der einzige war, der sich tatsächlich traute auch in der ansonsten so rauchfreien Halle sich eine Zigarette anzustecken.

Wirklich weiblich waren jedoch unsere Abstimmungsergebnisse an einer Stelle in den Personalwahlen: 97,irgendwas Prozent erreichte die nordrheinwestfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Da mussten die dunklen Herren schlucken. Aber keine Sorge: eine Schwälbin macht noch keinen Sommer, erst recht nicht, wenn sie in Düsseldorf fliegt.

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Eine Antwort zu Männer auf dem Bundesparteitag

  1. wally röhrig schreibt:

    prima Artikel! hinzuzufügen ist noch, dass die einzige Europaabgeordnete und langjähriges Parteivorstandsmitglied Evelyne Gebhardt nicht in den Parteivorstand wiedergewählt wurde, die außerdem noch stellvertretende AsF Bundesvorsitzende ist! Jetzt ist nur noch Martin Schulz im Parteivorstand. Hinzuzufügen ist auch, dass im ersten Wahlgang zum Parteivorstand die Quote , unsere so vielgepriesene wunderbare Quote, nicht erreicht wurde, und dass extra darauf hingewiesen werden mußte, damit im zweiten Wahlgang wenigstens das von den Delegierten-
    wobei die Genossinnen hier besonders gefordert waren – hingekriegt wurde. Hinzuzufügen ist auch, dass ein junger Genosse, darauf angesprochen mich belehrte(sic!), dass ich doch wissen müsse, dass die Genossen immer zuerst die Kandidaten, männlich versteht sich, ihrer Wahl und Absprache entsprechend (Landesabsprachen!) wählen, und dann „noch ein paar Genossinnen,
    die ganz gut sind“…. da gäbs noch vieles hinzuzufügen, aber die Zeit spare ich mir lieber und
    tue was , das die Gleichstellung in unserer Partei voranbringt, nicht nur träumen sondern handeln., auch im harten Gang kämpfen……

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