Mehr Zeit für Väter!

Die SPD sträubt sich gegen die gesetzliche paritätische Aufteilung der Elternzeit

Die SPD ist die Partei der Gleichstellung, die Partei des Frauenwahlrechts, die Partei von Rosa Luxemburg und Clara Zetkin. Auf dem SPD-Bundesparteitag in Berlin hatten wir Frauen jedoch nicht viel zu lachen. Gleichstellung und Feminismus wurde unter dem Gesamtpaket „Familie“ abgehandelt. Vorallem um Vereinbarkeit von Familie und Beruf  sollte es dort gehen, Feminismus könnte ja nächstes Jahr wieder in einem eigenen Antrag behandelt werden, schlug AsF-Vorsitzende und Mitglied des SPD-Bundesvorstands Elke Ferner vor.

Auch das Elterngeld – wenn auch nicht von uns eingeführt, ist ja im Prinzip eine ur-sozialdemokratische Idee und stellt einen wichtigen Baustein zu der gerechten Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit dar. Soweit die Theorie. Die Umsetzung jedoch hakt weiterhin. Auch wenn Zeitungen und Pressestellen euphorisch vermelden, dass fast jeder vierte Vater Elternzeit beantragt, heißt dies doch gleichzeitig auch, dass es drei von vier noch nicht tun. Das sind drei Viertel! Von denen, die überhaupt auf die Idee kommen, Elternzeit zu beantragen nimmt die übergroße Merheit nicht mehr als zwei Monate (http://www.tagesspiegel.de/politik/ein-viertel-der-vaeter-geht-in-elternzeit/4196474.html). Also genau die Zeit, die von dem anderen Geschlecht genommen werden muss, um nicht zu verfallen. Das ist, 100 Jahre nach dem ersten Weltfrauentag, einfach viel zu wenig!

Wir Jusos wollen uns damit nicht zufrieden geben. Schon seit Jahren fordern wir die gesetzliche hälftige Aufteilung der Elternzeit. Für jedes Geschlecht sieben Monate. Ein Thema der Vereinbarkeit par excellence. Wir brauchen diese klaren Regelungen, damit aus lauwarmen Absichtserklärungen auch endlich handfeste Tatsachen werden.

Auf dem Bundesparteitag konnten wir uns mit diesen Bestregungen nicht durchsetzten. Manuela Schwesig, die den Antrag einbrachte und gegen die von uns vorgeschlagene Änderung sprach macht sich Sorgen um die vielen Männer, die alle gern länger als 7 Monate zu Hause bleiben wollen (was Null der Realität entspricht), fehlende Krippenplätze (was nichts mit unserer Forderung zu tun hat) und die Tatsache, dass Männer ja immer noch mehr verdienen als Frauen, und deshalb nicht zu Hause bleiben wollen (was wir mit dieser Forderung ja beheben wollen).

Dabei wissen wir natürlich auch um die besonderen Probleme und Schwierigkeiten von Alleinerziehenden. Diese sollen unter dieser geforderten Regelung natürlich nicht zusätzlich Leiden. Die entsprechende Berücksichtigung haben wir in unserem Vorschlag natürlich vorgesehen.

Die SPD scheint 2011 immer noch nicht bei echter Gleichstellung und Partnerschaftlichkeit der Geschlechter angekommen zu sein. Wir Jusos werden als feministischer Richtungsverband dafür weiter kämpfen.

Der Artikel ist auch unter http://blog.jusos.de/2011/12/mehr-zeit-fur-vater/ erschienen

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Eine Antwort zu Mehr Zeit für Väter!

  1. Elke Ferner schreibt:

    Wenn frau mich schon zitiert, dann bitte richtig:
    Ich hatte in meiner Eigenschaft als Berichterstatterin der Antragskommission – nicht als ASF Bundesvorsitzende – darauf hingewiesen, dass mal wieder die Gleichstellungsanträge im Kapitel Familie stehen, dass dies in der Antragskommission kritisiert wurde und aus technischen Gründen im Antragsbuch nicht mehr änderbar war. In Zukunft wird sicher gestellt, dass es eine eigenständigen Antragsbereich Gleichstellung geben wird.
    In der Sache, wussten die AntragstellerInnen, dass die ASF seit langem für eine obligatorische Teilung der Elternzeit und des Elterngeldes eintritt, dass es aber dafür in der Antragskommission keine Mehrheit gab.

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