Männer werden zu potentiellen Vätern!

Die Feministin und Frauenpolitikerin Anneka Beck aus Münster berichtet zur Debatte „Gleichstellung: Wider den Rollback!“ der Jusos.

Auf dem Juso-Bundeskongress in Lübeck kam auch die Gleichstellung der Geschlechter nicht zu kurz. Der Antrag F2 „Gleichstellung: Wider den Rollback!“, auf den die Blogautorin schon hingewiesen hat, zeigte, dass wir noch viel zu tun haben, um Frauen und Männer tatsächlich gleichberechtigt an unserer Gesellschaft und auch innerhalb unseres Verbandes teilhaben zu lassen. Er zeigt aber auch, dass erkannt wird, was noch getan werden muss und das Abstimmungsergebnis lässt hoffen, dass viele der geforderten Punkte auch weiterbehandelt werden.

Durch Änderungsanträge verschiedener Landesverbände ist der F2 um wichtige Punkte erweitert worden. Hierzu gehört auch die Forderung nach einer Vaterzeit für Männer, die – dem Mutterschutz für Frauen entsprechend – verpflichtend für 8 Wochen gelten und dazu beitragen soll, dass auch Männer geschützt durch das Gesetz rund um die Schwangerschaft und die Geburt zu Hause bleiben können.

Wesentlichstes Argument für die Vaterzeit ist die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt. Während Frauen im Bewerbungsverfahren fürchten müssen, dass sie als potentielle Mütter wahrgenommen werden und somit Nachteile gegenüber ihren männlichen Mitbewerbern haben, brauchen sich Männer um eine mögliche Vaterschaft nicht zu sorgen. So wird die rechtliche Gleichbehandlung durch die Diskriminierung in den Köpfen konterkariert.

Dass Frauen ein Recht auf Mutterschutz haben, ist richtig und sollte nicht in Frage gestellt werden. Eine Schwangerschaft ist körperlich und emotional anstrengend. Frauen brauchen die ihnen gesetzlich zustehende Pause also unbedingt. Durch diese Pause manifestieren sich aber die Rollenbilder, denn wenn die Frau schon einmal zu Hause ist, bleibt sie dort auch häufig während der ersten Lebensjahre des Kindes. Und schon ist der Bruch in der Erwerbsbiografie vorprogrammiert. Karriereknick, finanzielle Abhängigkeit und Altersarmut sind die Risiken, die immer noch viel zu häufig Realität werden, wenn Frauen sich für eine Auszeit aus dem Beruf entscheiden und nach dem Mutterschutz in Elternzeit gehen.

Damit sowohl bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern als auch bei den Frauen und Männern selbst ein Umdenkprozess stattfindet, ist es also sinnvoll, wenn auch Männer verbindlich 8 Wochen Vaterzeit nehmen müssen. Darüber hinaus muss endlich auch eine hälftige Teilung der Elternzeit verpflichtend durchgesetzt werden. Auch das fordern die Jusos im F2. Beide Maßnahmen zusammen machen Männer für PersonalchefInnen zu potentiellen Vätern und damit alle zu potentiellen Eltern. Eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist dann zumindest in Hinsicht auf eine mögliche Schwangerschaft ausgeschlossen.

Zum Schluss will ich aber noch kurz ein weiteres Argument nennen: Liebe Männer, es ist schon lange an der Zeit, dass ihr euch engagiert in die Debatte einbringt und euer Recht auf eine gemeinsame Zeit mit euren Kindern einfordert! Zeit mit eurem neugeborenen Kind zu verbringen, zu sehen, wie es sich von Tag zu Tag verändert und entwickelt und gemeinsam an den kleinen Veränderungen teilzuhaben, bereichert euch und eure Partnerschaft. Es ist schade, dass es zu diesem Thema immer noch viel zu wenige Debattenbeiträge von Männern gibt. Ich würde mich freuen, demnächst mal einen Antrag zu lesen, der euer Recht fordert. Vielleicht dann mit dem Titel: „Die Hälfte des Himmels, die Hälfte der Erde, die Hälfte der Erziehung!“. Das wär doch mal was!

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Eine Antwort zu Männer werden zu potentiellen Vätern!

  1. Cha schreibt:

    Sehr schöner Antrag, schade, dass er es offensichtlich nicht geschafft hat. Die SPD ist damit der Gesellschaft zumindest nicht hinterher. Soooo viele werdende Väter erzählen, sie „könnten“ keine Elternzeit nehmen. Was für ein Schwachsinn. Ganz klar falscher Arbeitgeber. Also es liegt weiterhin viel bei den Vätern: Sie müssen ihr Recht auf Erziehung einfordern.
    Gleichzeitig finde ich, sollte ein Umdenken bei den ArbeitgeberInnen stattfinden: Menschen mit Familie sind doch die ausgeglicheneren, die Prioritäten haben und ihre Zeit meist besser einteilen und nutzen können. Sie sollten als die besseren ArbeitnehmerInnen wahrgenommen und bevorzugt eingestellt werden. 🙂
    PS: Habe dich jetzt auch endlich bei mir verlinkt.

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