Mini-Jobs abschaffen!

400-Euro-Jobs sind eine absolute Karrierefalle – gerade für Frauen!

In der Vorbereitung auf den Juso-Bundeskongress in Lübeck in zwei Wochen werde ich immer wieder auf einen Teil des Antrags „F1 – Frauen auf dem Arbeitsmarkt“ aus NRW angesprochen. „Mini-Jobs abschaffen“ wird nur in einem kurzen Satz begründet. Zurecht fragen eine Delegierte zum Bundeskongress nach weiteren Ausführungen und Argumenten. Diese möchte ich hier kurz skizzieren.

Die ursprüngliche Idee bei der Neuregelung des Niedriglohn-Sektors unter rot-grün, zu dem auch Mini-Jobs zählen, war: eine Einstiegsmöglichkeit in den Arbeitsmarkt zu bieten. Niedriglohn-Angebote wie die 400-Euro-Jobs sollten unter anderem dazu dienen, Menschen in Arbeit zu bringen, die keinen regulären Arbeitsplatz finden für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Die Hoffnung war stets, dass sich reguläre Arbeitsstellen aus diesen Beschäftigungen ergeben.

Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Mini-Jobs sind ein gigantisches Zuschussgeschäft des Staates. Statistiken zeigen: Mini-Jobs werden in dem größten Teil der Fälle nicht als Zuverdienst, sondern als alleinige Einkommensquelle genutzt. Dort muss der Staat massiv finanziell zuschießen.

Gerade Frauen sind es, die in diesen „Karrierefallen“, wie beispielsweise Wissenschaftlerin Ute Klammer sie nennt, gefangen. Verdienen nur wenig, sind nicht regulär sozialversichert, erwerben nur geringe Rentenansprüche. Einen Anreiz für diese Frauen mehr zu arbeiten wird mit diesen Regelungen konsequent untergraben. Denn dann würden ja Steuern anfallen und kurzfristig wäre nur eine sehr geringe Gelderhöhung spürbar.

Mini-Jobs legen Frauen auf die Rolle der ewigen Zuverdienerin fest und zementiert das Alleinverdienermodell. Eine Emanzipation am Arbeitsmarkt lohnt sich kaum, eine Emanzipation in der Lebensgemeinschaft ist nicht zu finanzieren. Diese Regelung ist für Frauen hochproblematisch.

Viele linke (Frauen)PolitikerInnen und wissenschaftliche Instiutionen wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung, sowie interessanterweise auch der Gleichstellungsbericht, der von der Bundesregierung (konkret: damalige Familienministerin Ursula von der Leyen, CDU) fordern deshalb seit Jahren ihre Abschaffung.

Auch wir Jusos haben die Abschaffung der Mini-Jobs auf unserem Juso-Bundeskongress in Weimar (2008) in einem umfassenden Antrag zu Gleichstellung beschlossen (http://www.jusos.de/sites/default/files/Beschlussbuch_2008_Weimar_0.pdf, S. 146). Diesen Beschluss sollten wir dieses Jahr in Lübeck nocheinmal erneuern und stärken!

Ich hoffe dabei auf eure Unterstützung!

Weitere Infos zur „Karrierefalle“ Mini-Job:

http://www.sueddeutsche.de/karriere/karriere-mit-kind-mini-jobs-fuehren-in-eine-biografische-sackgasse-1.1109582

http://www.boeckler.de/22632_22641.htm

http://www.ifs.tu-darmstadt.de/fileadmin/soziologie/Schmiede_Lehre/20102011WS/22_Artikel_-_Minijobs_-_laendlich__westlich__weiblich1.pdf

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Eine Antwort zu Mini-Jobs abschaffen!

  1. Görengeplärre schreibt:

    Sehr richtig. Der Gender Pension Gap ist vor allem bisher kaum thematisiert. Dabei wird Altersarmut sehr wahrscheinlich immer mehr zunehmen — und gerade Frauen betreffen. Ich wünsche Euch für den Antrag viel Glück.

    PS: Ein sehr gutes und interessantes Blog.

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