Was für eine Chance für Gleichstellungspolitik!

Julian Zado schreibt über das Männerplenum auf dem Änder Das!-Sommercamp

Was für eine Chance für Gleichstellungspolitik! Beim Änder Das!-Sommercamp kamen über 100 junge Menschen asu vielen verschiedenen linken Verbänden (z.B. Jusos, Grüne Jugend, BUND-Jugend, Naturfreundejugend…) zusammen, um gemeinsam darüber zu diskutieren, wie unsere Gesellschaft zum Besseren verändert werden kann. Und das in einer Ziet, in der wieder grundlegende politische Fragen gestellt werden. Eine gute Gelegenheit, um auch über Gleichstellung und Feminismus zu diskutieren. Die Gelegenheit wurde genutzt. Neben vielen Workshops zu feministischen Themen gab es auch ein Frauen- und ein Männerplenum. Vom Männerplenum möchte ich hier kurz berichten.

Auf Vorschlag der Moderation wurde zunächst darüber diskutiert, was das
typische männliche Rollenbild ausmacht. Hier wurden verschiedene „typisch
männliche“ Attribute gesammelt: Stark, beschützend, selbstbewusst, dominant,
mutig, biertrinkend, fußballguckend, usw. Einigkeit bestand schnell darin,
dass diese Attribute vielleicht „typisch“ sind, aber keinesfalls
abschließend ausreichend, um männliche Rollenbilder zu definieren.

Die Frage wurde jedoch nicht vertieft. Stattdessen entstand eine spannende
Diskussion ausgerechnet über die Frage, was man nun genauer diskutieren
sollte. Hier entwickelte sich die Diskussion schnell dahin, dass darüber
gestritten wurde, was der Anspruch eines politischen Verbandes sein sollte.
Hintergrund dieser Frage war wohl auch, dass zwar alle Männer im Raum
Mitglieder von linken Organisationen mit emanzipatorischem Anspruch, die
Verbände aber durchaus unterschiedliche Politikansätze verfolgen. Im
Wesentlichen wurden dabei zwei Positionen vertreten. Die eine sah es als
Hauptaufgabe eines politischen Verbandes an, über Rollenbilder und die damit
verbundenen Diskriminierungen aufzuklären, zu sensibilisieren und zu
reflektieren. Ziel ist, selbst bewusster zu leben und das Denken in festen
Rollenbildern zu überwinden. Die andere Position sah es als Aufgabe eines
politischen Verbandes an, vor allem geschlechtsspezifische gesellschaftliche
Machtstrukturen aufzudecken und aufzubrechen. Dabei wurde jeweils die
„andere Position“ als durchaus ebenfalls wichtig angesehen – gestritten
wurde aber, welcher „Ansatz“ Priorität haben sollte. Was meint Ihr?

Ich schließe mich jedenfalls der Position an, die ein Teilnehmer treffend so
formulierte: „Wenn mensch sein eigenes Verhalten reflektiert, emanzipiert
lebt und selbst nicht mehr geschlechtsspezifisch diskriminiert, dann kann
man sich in seiner eigenen Lebenswelt vielleicht ein emanzipiertes ‚Biotop‘
schaffen, wie es vielleicht in Kreuzberg an manchen Stellen gelungen ist.
Echte Machtstrukturen können so aber nicht überwunden werden.“

Tiefpunkt der Disussion war leider das bekannte männlich-dominante
Redeverhalten, das bezeichnenderweise besonders ‚idealtypisch‘ von einem
Teilnehmer gezeigt wurde als er gerade Ausführungen über Pierre Bordieu
machte und einen männlichen ‚Habitus‘ kritisierte.

Ob die Diskussionsform Männerplenum insgesamt gelungen war, darüber gab es
unterschiedliche Auffassungen. Insgesamt fehlte nach meiner Einschätzung
schlicht eine klare Fragestellung und eine stringente Moderation. So hatte
ich aber leider nicht den Eindruck, dass das Männerplenum ein Gewinn war.
Bei anderen Gelegenheiten habe ich leider ebenfalls negative Erfahrungen mit
Männerplena gemacht. Deshalb interessiert mich eine Frage ganz besonders:
Habt Ihr schonmal ein „gelungenes“ Männerplenum erlebt? Wenn ja, wie sah das
aus? Gab es eine besondere Fragestellung? Gab es eine besondere
Vorgehensweise der Moderation? Vielleicht gibt es ja einen Weg.

von Julian Zado

Julian Zado ist Feminist, Berliner Juso und trotzdem Jurist

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Eine Antwort zu Was für eine Chance für Gleichstellungspolitik!

  1. Christian Dristram schreibt:

    Also ich war in nem anderen Männerplenum als du, aber „unseres“ war total gut. Bei uns wurden auch nicht, wie sonst die ganze Zeit, irgendwelche Trennlinien zwischen insbesondere den Jusos und der GrünenJugend künstlich aufgebläht. Es war eine konstruktive und vor allem ehrliche Diskussion. Mich hat nur geärgert, dass die Jusos bei der GJ anscheinend bisher so rübergekommen waren, als würde Gleichstellungspolitik und Feminismus nicht zu unserem Tagesgeschäft gehören. Für mich als überzeugter Feminist und Jungsozialst ist das schmerzlich zu hören. Allerdings kann ich mir auch gut selbst herleiten, woher das kommt. Selbst Männer, die sich bei „uns“ als Feministen bezeichnen, sind es oft gar nicht, sondern verstecken sich lediglich hinter dem Anspruch, dass man das als „guter“ Juso zu sein hat.

    Mein Fazit ist viel mehr, dass die GJ um einiges weiter in der Diskussion über Feminismus ist und zwar verbandweit und nicht wie bei und Jusos nur innerhalb eines relativ kleinen Zirkels, der größtenteils aus Frauen besteht.

    Im übrigen sehe ich die von dir beschriebenen Politikansätze in der Gleichstellungspolitik (Aufklärung und Sensibilisierung vs. Machtstrukturen aufdecken) alles andere als gegensätzliche Positionen. Auch finde ich es nicht richtig über das Primat des Einen über das Andere zu diskutieren. Ich denke eher, dass sich beides bedingt und interdependent zueinander steht – Aufklärung und das Durchbrechen von patriachalischen Strukturen: das geht nur zusammen!

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