Frauen tratschen – Männer klüngeln

Auf dem Genderworkshop der FES-Sommeruni wurden verkrusteten Strukturen von Ortsvereinen und Männerdomänen diskutiert

Mittwoch-Nachmittag, kurz vor der großen Party der Sommeruni der Friedrich-Ebert-Stitung, dem BergFESt, wurde nocheinmal geworkshoped in Potsdam. „Frauen tratschen, Männer klüngeln – was tun wir?“ fragten uns Julia Maas und Nancy Haupt, Organisatorinnen der Frauen BarCamps der SPD. Wichtig war den Moderatorinnen, sich noch einmal genauer anzuschauen, was eigentlich Frauen davon abhält, sich politisch zu engagieren. Lediglich ein gutes Viertel der Partei-Mitglieder in Deutschland sind weiblich. In den Landesparlamenten finden sich gerade mal ein Drittel Frauen, auf kommunaler Ebene lediglich ein Viertel. Woran liegt das?

Entgegen der gängigen Klischees über solche Veranstaltungen nahmen verhältnismäßig viele Männer an dem angebotenen Workshop teil. Auch sie fühlen sich nicht alle wohl, in verkrusteten Strukturen und männlichen Hierarchien.

Bei der Analyse, was hilfreiche und was abschreckende Strukturen für ein (politisches) Engagement von jungen Frauen darstellt, bekamen wir gleich eine lange Liste demotivierender Beispiele zusammen. Aber auch förderliches konnten wir notieren, wie beispielsweise im politischen Ehrenamt Gleichgesinnte zu treffen, zu netzwerken und sich auszutauschen. Auch das Kennenlernen von neuen und interessanten Themen war den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wichtig. Eine der wichtigsten Motivationen war jedoch die Möglichkeit, politisch zu handeln und die eigene Lebensrealität aktiv zu gestalten. Bei diesem Wunsch der Partizipation und Teilhabe fanden sich keine Geschlechterunterschiede.

Negativ vielen jedoch viele andere Aspekte auf. Die Gesundheit beispielsweise, die man sich praktisch qua Definition ruinieren muss, um mit den Biertrinkenden, rauchenden Genossen die Nächte durchzumachen. Das wirklich wichtige wird ja immer erst beim „Bier danach“ besprochen. Auch starre Strukturen, mit einem „das haben wir immer schon so gemacht“-Habitus oder weiterhin herrschender Sexismus in hauptsächlich männlich dominierten Gremien. Ochsentouren und lange Sitzungen schrecken zusätzlich ab. Die so genannte „Anwesenheitskultur“, in der es nicht darauf ankommt, welche Güte bestimmte Redebeiträge haben, oder welchen Beitrag zu einer Veranstaltung geleistet wurde, sondern nur darauf, überall zumindest körperlich anwesend gewesen zu sein können und wollen gerade junge Frauen häufig nicht leisten.

In kleineren Gruppen diskutierten wir in einer nächsten Runde mögliche Lösungen oder neue Wege für die unterschiedlichen Probleme. Je nach Sitzungskultur könnte eine externe Moderation hilfreich sein, um eingefahrene Verhaltensmuster zu durchbrechen. Wechselnde Sitzungstermine könnten helfen, um auch Menschen einbinden zu können, die nicht an feste Termine gebunden sein können. Das „doodeln“ von Sitzungen ist gerade im Kontext jüngerer Engagierter oft bereits fester Bestandtteil der Terminfindung.
Um selbst aus den bekannten Sturkuren ausbrechen zu können, könnten Schulungen für FunktionärInnen helfen, um Instrumente und Methoden an die Hand zu bekommen, in den eigenen Strukturen andere Wege gehen zu können. Das Einigen auf einen „Verhaltenskodex“ im Ortsverein oder anderen Strukturen könnte eines solcher Instrumente sein. Mit der gemeinsamen Einigung auf Regeln wie „wir lassen einander ausreden“ oder „wir machen keine sexistischen Kommentare – auch nicht als „Witz““ könnten einigen Gliederungen vielleicht bereits geholfen sein. Des Weiteren haben wir uns über neue Heimatgliederungen für Menschen unterhalten, die viel unterwegs sind, und sich nicht einem bestimmten Ortsverein zuordnen wollen oder können. Vorschläge wie „virtueller Ortsverein“ oder „Ortsverein für PendlerInnen“ kamen auf, müssen aber sicherlich noch weiter diskutiert werden.

Auch wenn wir einige Ideen  zusammengetragen haben kann es dies noch nicht gewesen sein. Auch weitere Vernetzungs- und Unterstützungsstrukuren für junge Frauen in der Politik sind nötig. Die SPD bietet beispielsweise im Oktober wieder ein BarCamp an, in dem sich Frauen vernetzen und über neue feministische Themen austauschen können. Die SPD Parteireform kommt natürlich auch nicht ohne Angebote speziell für junge Frauen aus. Ein konkretes Internet-Angebot, das „Fem.Net“,  soll geschaffen werden, um Möglichkeiten zur lokalen und thematischen Vernetzung herzustellen. Ich bin mir sicher, Julia und Nancy werden uns junge Frauen entsprechend auf dem Laufenden halten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Parteiintern, Termine und Veranstaltungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s