Höchste Zeit für Vaterzeit!

Freiwilligkeit und positive Anreizsysteme reichen nicht aus: wir brauchen eine gesetzlich vorgeschriebene Vaterzeit!

100 Jahre Weltfrauentag, 20 Jahre Quote, jahrzente lange Frauenförderpläne, Nächtelange Diskussionen, so richtig geholfen hat es irgendwie alles nicht. Noch immer sind nur 64% aller Frauen überhaupt berufstätig, und wenn sie es sind, meist in Teilzeit, Mini-Jobs oder anderen Niedriglohnbereichen. Noch immer haben wir gerade mal 2,5% Frauen in Aufsichtsräten (in den größten 200 Unternehmen Deutschlands). Aber nicht nur in den Vorständen sind Frauen kaum zu finden. Ebenso wenige Spitzenpositionen in der Politik oder in der Wissenschaft werden mit Frauen besetzt.

Gerade bei Einstellungen oder Gehaltsverhandlungen wirkt sich „das massive Ausfallrisiko“ der Schwangerschaft negativ für Frauen aus. Unter anderem aufgrund von Ausfallzeiten wegen Kindererziehung verdienen Frauen im Durchschnitt 23% weniger als Männer.

Frauen sind eben immer auch potzenzielle Mütter. Trotz Elterngeld und Anreizsysteme, dass auch Männer für ein paar Wochen zu Hause bleiben und die Kleinen hüten, nehmen gerade mal 23 Prozent Elterngeld in Anspruch. Nur ein kleiner Schritt. Auch wenn diese Anzahl stetig wächst heißt es eben auch, dass bisher 67% aller jungen Väter KEINE Erziehungszeit beanspruchen, das heißt wenige Tage nach der Geburt schon wieder im Büro  aufschlagen. Männer arbeiten nach der Geburt ihrer Kinder tendenziell sogar mehr, als wenn sie keine Väter wären, Frauen hingegen gehen oft auf Teilzeit zurück oder hören ganz auf zu arbeiten http://www.boeckler-boxen.de/3765.htm.

Keine noch so gut gemeinte Maßnahme konnte bisher etwas daran ändern.

Aber jetzt reichts mir. Jetzt hab ich die Faxen dicke! Ich fordere das gesetzliche Ausfallrisiko auch für Männer!

Gesetzte ändern Realität und Realität verändert Wahrnehmung. Oder um die Worte eines alten Mannes mit Bart zu bemühen: das soziale Sein bestimmt das Bewusstsein.

Entsprechend des Mutterschutz sollte eine gesetzlich vorgeschriebene Vaterzeit  eingeführt werden, die es Männern ermöglicht, die ersten Wochen zu Hause bei ihrem Kind zu sein. Dem Trend, einer allein auf dem Papier existierenden Möglichkeit, sich als junger Vater Zeit für sein Kind nehmen zu können, da bei bestehen auf dieses Recht mit massiven Diskriminierungen und Verschlechterungen in der Karriere zu rechnen sind, kann damit entgegen gewirkt werden. Des Weiteren wäre dies endlich mal eine Möglichkeit, der Diskriminierung von Frauen als potenziellen Müttern zu begegnen. Jeder junge Mann wird damit zum potenziellen Vater und ebensolchem Ausfallrisiko. Die genaue Länge dieses „Vaterzwangsurlaub“ ist mir gar nicht mal so wichtig. Ob drei Wochen, sechs oder acht – die Notwendigkeit in den Unternehmen umzudenken, Familiengerecht Lösungen zu finden und mit Elternausfall umzugehen – egal ob männlich oder weiblich – halte ich für die entscheidendere Frage.

Diese Maßnahme wäre damit endlich mal ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem geschlechtergerechten Arbeitsmarkt.

Wenn Man(n) mich nun fragt „wer hat sich das schon wieder ausgedacht?“ muss ich sagen: ich wars nicht – leider. Der Vorschlag stammt von Laurence Parisot, der Präsidentin des französischen Unternehmerverbandes Medef. In der Süddeutschen Zeitung wird sie wie folgt zitiert:

„Es ist traurig, aber wir kommen in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter nicht mehr voran“, sagt die 51 Jahre alte Unternehmerin. Der Vaterschafts-Zwangsurlaub könne zum „entscheidenden Hebel werden, um die Einstellung gegenüber Frauen und Männern in Firmen und Haushalten zu ändern“.

http://www.sueddeutsche.de/karriere/frankreich-zwangsurlaub-fuer-vaeter-freiheit-gleichheit-vaeterlichkeit-1.1076915

Das hört sich doch gut an, und es wird noch besser: auf viel Zustimmung würde sie in Frankreich stoßen, wird berichtet. Das lässt doch hoffen. Ob ich auf ebensoviel Beifall stoße?

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