Feminismus für Alle!

Ein Plädoyer für Gleichstellungspolitik für Managerinnen und Putzfrauen

Feminismus war und ist immer noch eher ein Mittel- bis Oberschichten-Phänomen. Frauenpolitisch Interessierte kommen häufig aus einem privilegierten, wenn nicht gar bürgerlichen Millieu und sind gut ausgebildet. Auch die Anführerinnen des „Neuen Feminismus“, die Bloggerinnen der Mädchenmannschaft oder oder die Macherinnen des Missy-Magazins sind durchweg hochqualifiziert. Allein der Titel des Buches „Alpha-Mädchen“ spricht in dem Zusammenhang Bände. Das klingt nach „wir sind hervorragend ausgebildet, wir erobern jetzt die Chefetagen, wird sind Alpha“. Dass dies jedoch keinesfalls für alle jungen Frauen gilt wird dabei häufig vergessen.

Noch immer gehen knapp sechs Prozent aller Mädchen ohne Schulabschluss von der Schule ab, noch immer sind zwei Drittel aller Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz finden weiblich, noch immer werden 87 Prozent der Teilzeitarbeitsplätze sind in Frauenhand und auch 400-Euro-Jobs tragen weiter zu Frauenbenachteiligung bei. Jedes vierte Beschäftigungsverhältnis von Frauen aus dem Westen ist auf 400-Euro-Basis. Gerade diese Frauen konnten von den gleichstellungspolitischen Erungenschaften der letzten Jahre nur wenig profitieren. Gehaltsunterschiede, fehlende Kinderbetreuung treffen gerade Frauen mit geringem Einkommen besonders hart.

Gerade dort muss unsere Solidarität liegen. Feminismus und Gleichstellungspolitik brauchen wir nicht nur für weibliche Führungskräfte sondern auch für Niedriglöhnerinnen und Teilzeitbeschäftigte.

Für eine politische Frauenbewegung ist es eben wichtig, alle Frauen mitzunehmen, für alle Frauen offen zu sein und Angebote zu haben. Für die erfolgreiche Gleichstellung zwischen Frau und Mann müssen wir das Leben von allen Frauen im Blick haben. Feminismus geht nicht ohne eine grundlegende Änderung am Gesellschaftsvertrag. Dafür müssen wir ebenso eine Frauenquote in Aufsichtsräten fordern, wie gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen in Dienstleistungssektor streiten, in dem noch immer hauptsächlich Frauen arbeiten. Für Mindestlöhne eintreten, die wohlgemerkt bereits vor 100 Jahren auf dem 1. Weltfrauentag zur besseren wirtschaftlichen Absicherung von Frauen gefordert wurden. Für eine reale und praktikable Möglichkeit der Kinderbetreuung eintreten, auch für Frauen, die sich nicht mal eben eine Kinderfrau leisten können. Das bedeutet auch, dass wir Probleme von Altersarmut, die hauptsächlich Frauen aus den unteren Einkommensklassen betreffen, thematisieren müssen.

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