Gleichstellung von gestern bis morgen

Lesung „Feminismus – und morgen?“ in Bonn

Am Dienstag, den 21. Juni 2011 lud die AsF – Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Bonn – zu einer Lesung aus meinem und Inge Wettig-Danielmeiers Buch „Feminismus – und morgen“, dass im März 2011 im Vorwärts-Verlag erschienen ist (http://www.vorwaertsbuchverlag.de/buecher/feminismus-und-morgen), ein. Das Publikum war vom Alter her ebenso gemischt wie Inge und ich – entsprechend war auch die Diskussion: spannend und aufschlussreich.

Nach einem kurzen Einstieg, in dem ich darüber berichtet habe, wie das gemeinsame Buch-Projekt mit Inge überhaupt entstanden ist und ob es auch unterschiedliche Auffassungen zwischen Inge und mir zu den verschiedenen Themen gab, die wir beide in unseren Beiträgen angeschnitten haben (gab es natürlich, bei den maßgeblichen Einschätzungen waren wir uns jedoch einig) lese ich ein paar Seiten sowohl aus Inges als auch aus meinem Buchteil vor. Die älteren Genossinnen nicken wissend, an vieles, dass Inge in ihrem Buchteil schreibt können sie sich auch erinnern. Die jüngeren Damen amüsieren sich bei meinen Beschreibungen des neuen Feminismus oder den frauenpolitischen Aspekten von Ally McBeal.

Danach beginnt die Diskussion und jede hat etwas beizutragen. Wie werden frauenpolitische Diskurse heutzutage überhaupt geführt, wo bleibt der Austausch zwischen den Generationen und gibt es sie wirklich, diese von mir beschriebene, neue positive Einstellunge der jungen Frauen zu dem Thema Feminismus? Ist der Kampf für Gleichberechtigung heute schwerer geworden, da wir nicht mehr gegen Paragraphen, sondern gegen Einstellungen vorgehen müssen?

Was müssen wir tun, damit Frauen endlich auf allen Ebenen, auch politisch und in den Parlamenten gleichgestellt sind und sollten Frauen überhaupt nach Macht streben oder ist das nicht an sich schon ein Einlassen auf patriarchale Strukturen? Und was passiert in der Pflege, werden es wieder die Frauen  sein, die diese Nebenwirkung des demographischen Wandels ehrenamtlich auffangen müssen?

Die Eiswürfel meiner Weinschorle schmelzen in Null-Komma-Nichts, bei diesen hitzigen Debatten und die Frage nach den fünf Eckpunkten, die der feministischen Debatte wieder auftrieb geben, theoretisch einordnen und pratisch Lebensrealität von Frauen verändern würde bringt mich richtig ins Schwitzen. Naja, wenn ich das so genau wüsste…

Also, ich versuchs mal: Der Ausbau der Kinderbetreuung wird weiterhin ein wichtiges Thema sein und wir sollten uns mal überlegen, wie wir der Diskriminierung von Frauen in den Sozialversicherungen, steuerpolitisch im Ehegattensplitting, in der Krankenversicherung über die Familienmitversicherung und so weiter, endlich wirkungsvoll begegnen können. Für Frauen die schlecht ausgebildet sind und/oder im Niedriglohnbereich arbeiten und sich in diesem Elite-Feminismus um F-Klassen und Alpha-Mädchen nicht wiederfinden, sollten wir eine Lobby sein und Angebote zur Lebensverbesserung haben. Wichtig ist mir außerdem, dass die Debatte um partnerschaftliches Aushandeln von Lebensentscheidungen nicht dazu führt, die Auswirkungen struktureller Benachteiligung von Frauen zu individuellem Versagen umzudeuten. Wenn Frauen vom Arbeistmarkt ferngehalten werden, weil ihnen keine Kinderbetreuung zur Verfügung steht ist dies strukturelles Versagen, keine persönliche Verfehlung. Wenn Frauen nach der Scheidung von ihrem Ehemann Gefahr laufen, von Altersarmut betroffen zu sein ist dies ein gesellschaftliches Problem, keine individuelle Fehlleistung, den Ehevertrag nicht besser ausgehandelt zu haben. Puh.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rheinsalon, Termine und Veranstaltungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s