„Feminismus – und morgen“-International

Am Pfingstwochenende wurde ich von den Jusos Bonn und dem Willy-Brandt-Zentrum in Jerusalem zu einer Diskussion zu Frauen- und Gleichstellungspolitik ins Bonner Frauenmuseum eingeladen. Eine Delegation von jungen Frauen aus Israel und Palästina waren in Deutschland zu Besuch und eine ihrer Stationen führte sie ins Frauenmuseum.

Die Organisatorinnen hatten mich gebeten, etwas aus dem Buch „Feminismus – und morgen? Gleichstellung jetzt“ vorzulesen – doch soweit sollten wir gar nicht kommen. Bei der Vorstellung der vier Thesen aus dem Buch (Feminism for everyone, women solidarity, the biology trap, living self-determined) entbrannte sich bei These drei „the biology trap“ eine heiße Diskussion – und schon steckten wir in der tiefsten Theoriedebatte. Differenz-Feminismus versus Dekonstruktivismus und natürlich alles auf englisch – eine Sprache, die bei keiner der Diskutantinnen die Muttersprache war. Kein Wunder, dass wir uns vor lauter Engagement und Enthusiasmus manchmal „lost in Translation“ wiederfanden. „It’s important to be able to default oneselfes personality as a women.“ Häh?

Gespannt lernte ich im weiteren Verlauf der Diskussion über die Sitation von Frauen und feministischer Debatten in Israel und Palästina. Was sind die euch bewegenden frauenpolitischen Themen? Welche Veränderungen haben sich in der letzten Zeit ergeben? Welche Rolle spielen gerade junge Frauen in einer feministischen Bewegung in euren Ländern? All solche Fragen haben wir aufgeworfen und andiskutiert.

Die hitzige Debatte, die sich rund um das Thema Abtreibung entwickelte führte nocheinmal vor Augen, dass sich die Regierungen in Isreal und Palästina ebenso schwer tun wie die deutsche, eine kalre Regelung zu finden. „Unsere Regelungen sind sehr liberal“,“Liberal? Abtreibung ist praktisch verboten“, „Ja, aber nicht immer, man kann einen Erlaubnis bekommen“, „Unter welchen Bedingungen denn eigentlich?“, „Hm, bei Vergewaltigung auf jeden Fall“. Der gleiche Eiertanz, dem wir uns in Deutschland gegenüber sehen.

Sexualisierte Gewalt und Gewalt gegen Frauen war für die Frauen aus allen Ländern ein wichtiges Thema. Gerade die Verurteilung von Isreals Ex-Präsident Katzav wegen Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch schien das Thema virulenter zu machen. Frauen würden sich nun eher trauen, sexuellen Missbrauch zu melden, weil sie sehen, dass sie auch gegen mächtige Männer vorgehen könnten, war die Meinung einiger Teilnehmerinnen. Das Urteil habe eine andere, eine neue Kultur geschaffen.

Auch von weiteren kleinen Graswurzel-Bewegungen oder -Initativen konnten einige Teilnehmerinnen berichten. Beispielsweise von privat organisierten Treffen, um sich über die weibliche Sexualität auszutauschen, schließlich ging auch die feministische Bewegung in Deutschland in den 70igern mit einer Befreigung des weiblichen Körpers und der weiblichen Sexualität einher. Interessant fand ich auch Berichte über kleine „feministische“ Bestrebungen im ultraorthodox-jüdischen Millieu. Wie in (fast) jeder Religion werden auch in der jüdischen Tradition Frauen „verschleiert“ (lange Röcke, lange Oberteile, auch bei 40 Grad im Schatten) und räumlich von den Männern getrennt (in Bussen sollen Männer und Frauen getrennt sitzen, in Synagogen gibt es getrennte Gebetsräume bzw. -ebenen für Frauen und Männer). Doch auch dort, war die Kunde, die uns einige Teilnehmerinnen mitbrachten, tut sich was.

So viele interessante Themen kamen auf, dass ich auf das Lesen eines bestimmten Kapitels oder Textauszugs einfach verzichtet habe. Lebhafte Debatten und der interkulturelle Austausch waren einfach spannender.

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